Als du verschwandest

Ich kuschel mich ein, in die sanften, dunklen Schleier der Nacht. 

Sie haben ihre Bedrohung verloren, als ich nach meinem Überlebenskampf wie aus einem Koma erwachte. 

Mein Herz klopft leise und langsam, meine Augen werden schwer. Ich denke daran, dass ich nun sitzen kann, auf der Bettkante. Dass ich meine Füße auf den Boden stellen kann. Wohlig warm denke ich an eine Zukunft, in der ich wieder laufen kann. 

Doch dann denke ich an dich und daran, dass dies deine letzte Nacht sein wird.

Dass du gehen wirst, nicht friedlich still, sondern lautleise und mit einem riesigen Donnerschlag in unseren Herzen. Laut, weil du jung bist. Zu jung. Leise, weil viele von uns leise verschwinden. In dieser Dunkelheit, ohne das Licht noch einmal zu sehen. Es wurde dir genommen. ME hat dir deine Zukunft genommen. 

Du bist gegangen. Nicht wortwörtlich, sondern in eine andere Welt. Eine Welt, in der du hoffentlich mit Engelsarmen und Liebe empfangen wirst. Denn das ist das, was du so sehr verdienst.

Die Schleier der Nacht haben ihre Bedrohung verloren, doch heute war sie wieder da. So klar und so scharf. Sie hüllt alles ein, meine Hoffnung und deinen Abschied. Diese Gleichzeitigkeit und Ungerechtigkeit. 

An eine ME-Betroffene, die heute Nacht Abschied nahm, als ich friedlich einschlief. 

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