Die Stimmen aus der Hölle

Ki-generiertes Bild

Leise Töne schieben sich in mein Bewusstsein. Mit den Augen taste ich im Halbdunkel meinen Raum ab. „Woher kommt diese Musik?“, frage ich mich.

Ich ärgere mich, weil Hannes vermutlich seine Earplugs hier hat rumliegen lassen, die jetzt meine schützende Stille stören. 

Mit der Zeit realisiere ich: Die Musik ist in meinem Kopf. 

Hannes kommt und geht ohne etwas zu vermissen.

„Hörst du das?“, frage ich ihn. „Was?“ – „Die Musik. Irgendetwas ist hier an!“, sage ich in der Hoffnung, es möge sich eine Erklärung finden. Doch sie bleibt. In meinem Kopf. 

Die Musik wird immer lauter. Es gesellen sich orientalische Flötenklänge aus unserer vergangenen Marokkoreise hinzu. 

Nachts schlafe ich nicht mehr. Es ist viel zu laut. Also lausche ich. Nun tritt eine tieftraurige, wunderschöne Frauenstimme hervor. „Baby, Bayyyybeee“ ertönt es melancholisch. Wie sirenische Gesänge dringt sie immer und immer wieder ins Halbdunkel ein. Bahnt sich stechend einen Weg in mein Herz. Bilder meiner kleinen Tochter brechen über mich herein. 

Doch etwas in mir drängt mich dazu, diesen Zustand, der mich in sich hineinzieht, zuzulassen. Die Tränen stürzen wie reißende Bäche über mein Gesicht. Die Sehnsucht nach meiner Tochter. Schuldgefühle. Sie umhüllen mich wie schwarze Schleier und schnüren mir die Brust zusammen. Ich lasse alles zu. 

Irgendwann kommt Erleichterung. Nach stundenlangem Weinen. Ich stelle mir vor, wie ich meiner Freundin von diesen verrückten Stimmen erzählen werde, wenn ich diesen Absturz erfolgreich hinter mir gelassen habe.

Ich gehe fest davon aus, dass ich nach dem strikten Pacing, das ich nun praktiziere, wieder annähernd mein altes Leben zurückbekomme. Vielleicht wird es Wochen dauern. Mit Pech einige Monate. Aber ich werde zurückkommen.

Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht verstand: Dass dies meine neue Baseline ist. Dass der Abschied von meinen Töchtern kein vorübergehender ist. Dass die Stimmen bleiben werden. Dass sie mich zunächst liebevoll umsingen bis sie irgendwann bedrohlich werden. 

Wie es weiterging, erfährst du in Als ich eine Spur nach draußen fand…

Kennt ihr Botschaften von inneren Stimmen, die euch tief berührt oder beunruhigt haben? Wie seid ihr damit umgegangen? 

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