
Da ist er, der Husten meines Vaters. Leise prustend. Aber hörbar. Durch die letzten Jahre bedrohlich aufgeladen. Ich spüre Beklemmungen in meinem Körper. „Wir gehen jetzt!“, sagen meine Eltern, während sie in meinem Zimmer stehen. Seit ich liege, kommen sie alle zwei Wochen, um uns zu unterstützen. „Ihr habt einen Test gemacht?“, frage ich vorsichtig. – „Ja!“, zischt meine Mutter im harschen Ton.
Kaum sind sie weg, schleicht Hannes in mein Zimmer. Er wirkt unruhig. Zögert. Platzt schließlich mit der frohen Kunde heraus: „Ich hab Corona.“ Er schwitzt. Reibt sich die Hände übers Gesicht. Lautlos blicken wir uns an. Eine Corona-Infektion hatte mich bereits in diese Situation gebracht. Mir wird heiß. Ich atme. Ich bleibe ruhig.
Hannes rödelt im Haus herum, flucht zwischendurch und stöhnt angestrengt. Nun ist es fertig. Das andere Zimmer mit dem Bett. Eine Isolierstation im Haus. Zu meinem Schutz. Meine Tests bleiben negativ.
„Es wird mir bald besser gehen!“, denke ich erleichtert. Lange schlafen. Meditieren. Positives Denken trainieren. So wie ich es in dem kostenintensiven Selbsthilfe-Programm, das für sich beansprucht meine Erkrankung heilen zu können, gelernt habe. Bibellesen. Beten. Ein bisschen fernsehen. Das kann ich auch hier. Im anderen kühlen Zimmer mit viel Tageslicht, weil die Jalousie klemmt. „Vielleicht war das Abdunkeln auch übertrieben.“, denke ich. Dieser Albtraum hat bald ein Ende. Davon bin ich überzeugt. Hoffnungsfroh schlage ich die Bibellese auf:
„Ich verändere dich durch meinen Geist, […]. Auf diese Weise mache ich dich für mein Reich bereit.“ Diese Worte treffen mich wie ein erbarmungsloser Schlag aus dem Nichts. Meine Brust schnürt sich zu. Ich ringe nach Luft. Spüre die schneidenden göttlichen Schlingen. Ich bin gefangen. Mir wird heißkalt klar, was Gott vor hat. Ohne mich. Aber habe ich eine Chance gegen einen göttlichen Plan? Das Buch fliegt mit einem zerreißenden „Rumms“ in die Ecke. Ich sacke tief schluchzend zusammen. Mein Herz klopft. Einen Blick auf meine Pulsuhr: Viel zu hoch.
In den folgenden Tagen verschlechtern sich meine Werte rapide. Ich schlafe kaum. Habe Tachykardien. Nehme Betablocker, um zur Ruhe zu kommen. Es gelingt nicht. Die Symptome werden stärker. Ich reduziere meine noch wenigen Aktivitäten. Weniger Meditation. Weniger Denktraining. Kein Fernsehen mehr. Erst recht keine Bibellese. Nie wieder. Nur ruhen. „Abdunkeln!“ rät mir jemand im Internet. Hannes repariert die klemmende Jalousie. Und ich versuche meinen neuen Boden zu finden, der immer noch ein tiefes schwarzes Loch hat. Das mich noch eine Weile weiter verschlingen wird. Ich falle weiter.
Glaubt ihr an göttliche Botschaften? Habt ihr schon einmal eine bekommen? Wie hättet ihr meine Botschaft interpretiert?
Ich freue mich auf eure Kommentare ganz unten 👇🏼
✨ Unterstütze meine Arbeit
Meine Texte entstehen unter besonderen Umständen – im Liegen, mit sehr begrenzter Kraft. Wenn sie dir etwas bedeuten oder dir neue Perspektiven geben, freue ich mich über eine kleine Unterstützung.